Die Landeswahlleiterin Christina Dieckmann teilte am Dienstag den 22.09.2026 das endgültige Wahlergebnis der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt mit. Bereits mit dem vorläufigen amtlichen Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stand fest, dass die vom Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft wurde. Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt blickt mit großer Sorge auf den Ausgang der Wahl.
Die CDU erreichte 17,2 Prozent, die SPD 9,3 Prozent, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 8,9 Prozent, DIE LINKE 8,6 Prozent und das BSW 5,3 Prozent. Die FDP verfehlte mit 2,6 Prozent den Einzug in den Landtag. Die Wahlbeteiligung lag mit 77,8 Prozent auf einem Rekordniveau.
„Dieses Wahlergebnis markiert einen tiefen Einschnitt für unser Bundesland. Viele Menschen, die sich tagtäglich für Demokratie, Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren, blicken mit Sorge auf die kommenden Jahre“, erklärt Annett Kannenberg-Bode, Vorstandsvorsitzende des Landesfrauenrates.
Eine Übersicht über die genaue Sitzverteilung und die Namen der neuen Landtagsabgeordneten listet die Seite der Landeswahlleitung auf unter: https://wahlergebnisse.sachsen-anhalt.de/wahlen/lt26/sitze.html?v=1790144204644
Der Frauenanteil sinkt auf einen Tiefstand. Während bisher 27,8% der Landtagsabgeordneten weiblich war, sinkt der Anteil im neuen Landtag auf 21,7%. Nur noch 18 Frauen repräsentieren damit gut 50% Frauenanteil in der Bevölkerung. Sachsen-Anhalt ist damit das Schlußlicht unter allen Bundesländern.
„Frauen* stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung Sachsen-Anhalts. Dass sie künftig nicht einmal ein Viertel der Sitze im Landtag innehaben, ist ein alarmierendes Signal für die demokratische Repräsentation in unserem Bundesland“, erklärt Friederike Ewald, Geschäftsführerin des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt e.V.
Der Landesfrauenrat, die Landesgleichstellungsbeauftragte und viele demokratische Akteur*innen schlagen Alarm. Es steht zu befürchten, dass in dieser Landtagskonstellation und mit bereits im Wahlprogramm der AfD angekündigten Vorhaben, mit deutlichen Rückschritten in der Gleichstellungsarbeit zu rechnen ist. Frauenrechte und Gleichstellung sind keine Selbstverständlichkeit. Sie wurden über Jahrzehnte erkämpft und müssen immer wieder aufs Neue verteidigt werden. Die Unterrepräsentation von Frauen* in politischen Entscheidungsprozessen trifft Sachsen-Anhalt in einer Situation, die das Bundesland bereits seit Jahrzehnten prägt: Insbesondere junge Frauen* verlassen überdurchschnittlich häufig die ostdeutschen Flächenländer auf der Suche nach besseren Ausbildungs-, Studien- und Berufsperspektiven. Sachsen-Anhalt weist bei den 18- bis 29-Jährigen mittlerweile den höchsten Männerüberschuss aller Bundesländer auf.
Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt wird die politischen Entwicklungen der kommenden Legislaturperiode aufmerksam begleiten und sich weiterhin entschlossen für die Rechte von Frauen* und Mädchen*, für Vielfalt, Menschenwürde und demokratische Grundwerte einsetzen. Die Arbeit für Gleichstellung, Teilhabe und ein diskriminierungsfreies Miteinander bleibt unabhängig von Wahlergebnissen eine zentrale Aufgabe.
Unterstützung erhält der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Konferenz der Landesfrauenräte (KLFR) stellt sich geschlossen an seine Seite und die aller weiteren Länder, in denen Frauenrechte unter Druck stehen. Die KLFR warnt eindringlich davor, das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt als isoliertes ostdeutsches Phänomen abzutun. Die politische Richtung, die sich hier abzeichnet, ist eine Gefahr für die Demokratie insgesamt und sie macht an keiner Landesgrenze halt. Auch mit Blick auf die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am 20. September 2026 ist klar: Diese Entwicklung kommt überall an. Gleichstellungspolitische Errungenschaften, zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Strukturen stehen bundesweit unter Druck.
Radio Corax Interview mit Friederike Ewald zur Unterrepräsentanz von Frauen* im Landtag: hier nachhören.
Pressemitteilung des Landesfrauenrates zu Ergebnisse der Landtagswahl.
Pressemitteilung des Landesfrauenrates zum Frauenanteil im neuen Landtag.
Pressemitteilung der KLFR zum Wahlbeben in Sachsen-Anhalt.



