Magdeburg, 09. September 2026

Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt zeigt sich besorgt über den drastisch gesunkenen Frauenanteil im neu gewählten Landtag. Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis werden künftig lediglich 18 Frauen* unter 83 Abgeordneten im Parlament vertreten sein. Damit sinkt der Frauenanteil auf 21,7 Prozent und erreicht den niedrigsten Wert aller deutschen Landesparlamente. Im bisherigen Landtag lag der Anteil noch bei 27,8 Prozent.


„Frauen* stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung Sachsen-Anhalts. Dass sie künftig nicht einmal ein Viertel der Sitze im Landtag innehaben, ist ein alarmierendes Signal für die demokratische Repräsentation in unserem Bundesland“, erklärt Friederike Ewald, Geschäftsführerin des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt e.V.

In den vergangenen Wochen war der Landesfrauenrat mit Informationsständen in verschiedenen Städten und Regionen Sachsen-Anhalts unterwegs. Dabei kamen die Vertrete*rinnen mit zahlreichen Bürger*innen ins Gespräch und informierten über die Bedeutung der gleichberechtigten politischen Teilhabe von Frauen* sowie über die Notwendigkeit der paritätischen Besetzungen von Parlamenten und politischen Gremien.

Die Gespräche haben deutlich gezeigt: Viele Menschen erwarten, dass politische Entscheidungen die Lebenswirklichkeit der gesamten Bevölkerung berücksichtigen. Dies setzt voraus, dass Frauen* auf allen politischen Ebenen angemessen vertreten sind. Demokratie lebt von Vielfalt und von der gleichberechtigten Beteiligung unterschiedlicher Perspektiven.

Der niedrige Frauenanteil im Landtag ist nicht Ausdruck mangelnden politischen Interesses von Frauen*. Vielmehr bestehen weiterhin strukturelle Hürden bei der politischen Partizipation. Frauen* übernehmen nach wie vor den überwiegenden Teil der Sorgearbeit, sind häufiger von Zeit- und Ressourcenmangel betroffen und werden in Parteien noch immer seltener für aussichtsreiche Kandidaturen nominiert. Fachverbände und Frauenorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass diese strukturellen Benachteiligungen die politische Repräsentation von Frauen* erheblich beeinträchtigen.

„Eine Demokratie kann ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn Frauen* gleichermaßen an politischen Entscheidungen beteiligt sind. Parlamente sollten die Gesellschaft widerspiegeln, für die sie Entscheidungen treffen. Wenn Frauen* fehlen, fehlt ihre Erfahrung, fehlen ihre Perspektiven“, betont Annett Kannenberg-Bode, Vorstandsvorsitzende des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt.

Die Unterrepräsentation von Frauen* in politischen Entscheidungsprozessen trifft Sachsen-Anhalt in einer Situation, die das Bundesland bereits seit Jahrzehnten prägt: Insbesondere junge Frauen* verlassen überdurchschnittlich häufig die ostdeutschen Flächenländer auf der Suche nach besseren Ausbildungs-, Studien- und Berufsperspektiven. Sachsen-Anhalt weist bei den 18- bis 29-Jährigen mittlerweile den höchsten Männerüberschuss aller Bundesländer auf.

Wer junge Frauen* dauerhaft für Sachsen-Anhalt gewinnen und halten will, muss ihnen nicht nur gute Lebens- und Arbeitsbedingungen bieten, sondern auch echte politische Teilhabe und sichtbare Repräsentation ermöglichen.

Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt wird sich auch weiterhin für die gleichberechtigte politische Teilhabe von Frauen* und für eine paritätische Demokratie einsetzen. Der Auftrag des Grundgesetzes zur tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen* und Männern darf auch in der politischen Repräsentation nicht folgenlos bleiben.

PM_LTW_26_Frauenanteil.pdf

Kontakt:
Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V.
Geschäftsführerin: Friederike Ewald
Tel.: 0391-60772665
Fax: 0391-61083534