Lange Zeit beschäftigten sich feministische Debatten kaum mit Elternschaft und Familie. Zeiten ändern sich! Ein Bedeutungswandel in der Perspektive auf Elternschaft hält Einzug in feministische Auseinandersetzungen und Kämpfe. Nicht länger richten sie sich gegen die Familie, sondern gegen Verhältnisse, in denen das Leben mit Kindern zur Zumutung wird. In der Familie Feminismus leben – eine neue Devise und Herausforderung. Lust auf Bindung, Freiheit durch Angewiesenheit, Macht durch Mutterschaft – auch für Freundinnen und Väter. Damit sind Feminismus, Familie und Elternschaft in dieser Kombination ein neuer Untersuchungsgegenstand. 

Hier setzt das „Handbuch Feministische Perspektiven auf Elternschaft“ www.feministische-eltern.de an, das kürzlich von Lisa Yashodhara Haller und Alicia Schlender herausgegeben worden ist. Es versammelt 50 geschlechterkritische Beiträge zum Thema Elternschaft. Thematisiert wird, wie Elternschaft in feministischen Theorien verortet ist, wie sie institutionalisiert ist, wie Wege in die Elternschaft und Elternsein aussehen können. Zudem werden Herausforderungen einer feministischen Familienpolitik und Utopien einer befreiten Gesellschaft verhandelt.

Alicia Schlender, eine der beiden Herausgeberinnen gibt uns einen Einblick in das Handbuch und seine Beiträge. Im Anschluss gibt es einen thematischen Exkurs zum Thema „Schwangerwerdenkönnen“ durch die Autorin Antje Schrupp sowie zu dem Beitrag „Geburt“ durch die Autorin Tina Jung.

Antje Schrupps Handbuchbeitrag, den sie uns vorstellen wird, untersucht die gesellschaftlichen, politischen und feministischen Herausforderungen, die sich aus der Tatsache ergeben, dass zwar alle Menschen geboren werden, aber nur etwa die Hälfte von ihnen schwanger werden, also selbst Menschen gebären kann. Die traditionellen (patriarchalen) Geschlechterordnungen haben diese Herausforderung dadurch gelöst, dass sie Menschen entlang dieser reproduktiven Differenz in unterschiedliche Geschlechterkategorien einteilten und entsprechende Rollenmuster und Verantwortlichkeiten ausprägten, die insgesamt zu Lasten derjenigen Menschen, die schwanger werde können, – den „Frauen“ – ging. Diese Praxis ist durch die Frauenbewegung in Frage gestellt worden, womit sich allerdings die Notwendigkeit ergibt, andere, freiheitliche Umgangsweisen mit der reproduktiven Differenz zu finden, zum Beispiel im Hinblick auf Elternschaft jenseits von heteronormativen Paarbeziehungen, aber auch etwa bei ethischen Diskussionen über Reproduktionstechnologien. Dazu macht die Autorin auch einige konkrete Vorschläge.

Tina Jungs Handbuchbeitrag setzt beim Thema Geburt an und beleuchtet zunächst in ihrem gesellschaftlichen Wandel und als Gegenstand professioneller und politischer Einflussnahmen verschiedener Akteure und sozio-ökonomischer Rahmenbedingungen. Sodann werden (sozial-)wissenschaftliche Perspektiven auf Geburt skizziert und ausgewählte Achsen feministischer Debatten dargelegt.

Personeninfos

Alicia Schlender, B.A., M.A., arbeitet an der Schnittstelle von Feminismus und Familie. Sie forscht zu Vergeschlechtlichung in Co-Elternschaften und anderen nicht-normierten Familienformen. In diesem Bereich ist sie auch freiberuflich in der politischen Bildungsarbeit sowie als Einzel- und Familienberaterin tätig. Zur Zeit promoviert sie im Lehrbereich Soziologie der Arbeit und Geschlechterverhältnisse an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Tina Jung, Dr. phil., Marianne-Schminder-Gastprofessorin mit Teildenomination Geschlechterforschung, Institut für Gesellschaftswissenschaften an der Fakultät für Humanwissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Antje Schrupp, Dr. phil., Politikwissenschaftlerin, Journalistin und Buchautorin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind weibliche politische Ideengeschichte und das Denken der Geschlechterdifferenz.

Die Lesung ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem KgKJH, dem Volksbad Buckau, c/o Frauenzentrum Courage, der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und Dr.in Tina Jung, der Marianne-Schminder-Gastprofessorin für Geschlechterforschung an der Uni Magdeburg und findet im Rahmen unserer Jubiläumsveranstaltung „20 + 1 Jahre Koordinierungsstelle" statt.


Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Quelle: KGC Sachsen-Anhalt - Feminismus, Elternschaft & Utopien einer befreiten Gesellschaft. Lesung am 2. Juni (kgc-sachsen-anhalt.de)