„Es sind die Frauen, die das Land rocken“ titelt der Tagesspiegel. Plötzlich erweisen sich Pflegerinnen und Supermarktkassiererinnen als systemrelevant. Die Kanzlerin bedankt sich ganz ausdrücklich bei diesen Beschäftigten, die jetzt das Überleben sichern. Wer sich schon länger mit Geschlechterfragen befasst, ist weniger überrascht: Die feministische Ökonomie analysiert seit Jahrzehnten die gesellschaftliche Bedeutung dieser oft unsichtbaren und nicht bzw. unterbezahlten Arbeit, die sogenannte Sorge- oder „Care“-Arbeit.

Das Gutachten zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2017) trägt dies im Titel: „Erwerbs- und
Sorgearbeit gemeinsam neu gestalten“. Die Forderungen zur Aufwertung dieser vor allem von Frauen geleisteten Arbeit stehen also schon lange im Raum und die Politikempfehlungen dazu liegen allesamt auf dem Tisch: bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung, außerdem eine Reform der Aus- und Weiterbildung. Die Berufe sollten nicht vorzeitig wegen Überlastung verlassen werden müssen und ordentliche Aufstiegschancen bieten, also zu „Lebensberufen“ werden. Der Satz aus dem entsprechenden Themenblatt zum Gleichstellungsbericht bekommt vor dem Hintergrund der jetzigen Situation einen bitteren Beigeschmack: „Die Kosten dieser Aufwertung sind wesentlich niedriger, als wenn die Gesellschaft auf dem Pfad der Billigdienstleistungsökonomie verbliebe.“

Hier weiterlesen

Quelle und Download: Frey, Regina (2020): Corona und Gender – ein geschlechtsbezogener Blick auf die Pandemie und ihre (möglichen) Folgen. Download: http://www.gender.de/cms-gender/wp-content/uploads/gender_corona.pdf (Arbeitspapier)